Die Dreckbrühe muss irgendwie entsorgt werden

Also gemeint ist der Überschussschlamm aus der Kläranlage Bayerisch Gmain. Das geschah bisher über die Landwirtschaft. Das wurde als unbedenklich eingestuft. Für den Vorsitzenden der FWG war das keine dauerhafte Lösung, den Klärschlamm auf die Felder auszubringen, um Lebensmittel damit zu erzeugen.

In der Sitzung des Gemeinderates vom 11.07.2016 wurde unter TOP 6 dann von der Verwaltung ein neuer Entsorgungsweg zur Genehmigung vorgeschlagen. Der jährlich anfallende Klärschlamm von ca 3000 bis 3500 m³, mit einem Feststoffanteil von 3-5% soll über die Kläranlage Siggerwiesen in Salzburg entsorgt werden. Vorteil, gegenüber der landwirtschaftlichen Entsorgung spart sich die Gemeinde derzeit ca 10.000€ jährlich. Es werden für den m³ Klärschlamm 13,00€, und für den Transport 6,90€ jeweils netto, entrichtet. Das verursacht dann tatsächliche Kosten von rund 24 € je m³ Klärschlamm, also bei 3500 m³  fast 84.000€.

Argumentiert wurde auch mit der enormen Einsparung an Investitionskosten von rund 600.000€ für die Schlammpresse und die Schlammtrocknung. Das ist aber etwas zu kurz, oder auch gar nicht gedacht. Möglicherweise scheut sich die Verwaltung auch, den eigentlich geplanten und vorgesehenen Investitionsumfang auf über 4 Millionen € ansteigen zu lassen.
Zur Erinnerung:

Das Land Salzburg hatte (als Geldgeber für die Partnergemeinde Großgmain) eine Kostenvergleichsrechung gefordert, die eine Investitionssumme von 2,6 Millionen € ergab. Mit diesen 2,6 Mio € war es möglich, die Ertüchtigung als wirtschaftlichere Lösung gegenüber einem Anschluss nach Bad Reichenhall darzustellen. Das Land Salzburg hat erst noch verlangt, dass diese Kostenvergleichsrechnung noch einmal überprüft wird. Das geschah auch durch den BKPV, der aber nicht die ermittelten Investitionskosten, sondern nur die Berechnungsweise überprüft hat. Deshalb hat dann das Land Salzburg auch sehr, sehr lange gebraucht um dieser angeblich wirtschaftlichen Lösung zuzustimmen.
Inzwischen ist die unbedingt erforderliche Investitionssumme auf 3,68 Mio€ geklettert, wobei die in der Kostenvergleichsrechnung enthaltenen Schlammentwässerung und Trocknung noch gar nicht eingerechnet ist. Also korrekt zu vergleichen sind die 2,6 Mio € aus der Kostenvergleichsrechnung mit den 3,68 Mio aus der Genehmigungsplanung und weiteren 600.000 € für die Schlammentwässerung und Trocknung, also 4,3 Mio €.
Das ist eine Kostensteigerung von fast 70%, das ist mit einer Baukostensteigerung in den 5 Jahren nicht zu erklären. Die liegt bei etwa 10% seit 2011!

 

Aber weiter mit der  Berechnung der Wirtschaftlichkeit der nun mehrheitlich gewählten Schlammentsorgung:

   Menge Klärschlamm jährl. Kosten je m³ Gesamtkosten jährl.
  3.500m³ 24 € 84.000€
und im Vergleich:      
Abschreibung Maschinen  Abschreibung Gebäude  sonstige Kosten  Gesamtkosten jährl.
18.000€  8.250€  3.750€  30.000€
15 Jahre Abschr. auf 270.000€ 40 Jahre auf 330.000€ Energie, Chemie  

 

Dazu kommt noch die Entsorgung der Trockenmasse, die nach Angabe der Verwaltung derzeit bei rund 100€ je to liegt. Dafür sind weitere Kosten von 120 to zu jeweil 100€ zu berechnen. Das ergibt dann eine Summe von rund 42.000€ mit eigener Schlammpressung, Trocknung und Entsorgung. Natürlich ist dieser jetzt eingeschlagene Weg mit der Entsorgung über Siggerwiesen ein Fortschritt. Aber auf Dauer ein recht teuerer. Die Gemeinde ist ja verpflichtet wirtschaftlich zu agieren, und das ist bei Mehrkosten von rund 42.000€ ganz und gar nicht gegeben.

Und wer zahlt es, jeder Bürger von Bayerisch Gmain mit seinen Abwasserkosten!

 

In der Gemeinderatssitzungvom 23.03.2015

wurden auch die Vorschläge und Anregungen von Prof. Dr.-Ing Ernst Billmeier an die Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber zurückgewiesen. Da war die Rede davon, dass die Bio-P-Anlage -mit der das Vorklärbecken um fast 75%verkleinert wurde- "im Toleranzbereich" liegt. Eine recht denkwürdige Erläuterung. Denn entweder arbeitet eine Anlage zufriedenstellend, oder eben nicht. Inwieweit da ein Toleranzbereich auffindbar ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Nach der These von Dr.-Ing Billmeier arbeitet diese Bio-P-Anlage eben nicht zufriedenstellend. Dadurch fällt ein erhöhter Energiebedarf an. Außerdem ist Billmeier der Auffassung, dass die Ertüchtigung der Anlage auch wesentlich günstiger zu erreichen ist. Da die Gemeinderäte auch eine Art Korrektiv der Bürger sein sollen, also umgangssprachlich aufpassen sollen, dass die Verwaltung keine goldenen Paläste baut, muss man sich auf jeden Fall mit diesen Thesen auseinandersetzen. Denn bezahlen müssen diese Investitionen von ca 3,6 Millionen Euro ja schließlich die Nutzer der Anlage. Also die Bürger, die erhöhte Anschlussbeiträge, und dann auch noch die Betriebskosten zu tragen haben.

Hier noch der Leserbrief von Prof. Dr.-Ing Billmeier zur technischen Nachrüstung gegen den unkontrollierten Schlammabtrieb

 

Die Dreckbrühe

war auch Gegenstand einer Anfrage von GR Peter Renoth in der Sitzung vom 23.03.2015.

  • was ist da in den Weißbach geflossen?
  • wie viel ist in den Weißbachgeflossen?
  • warum ist das überhaupt in den Weißbach geflossen

Außerdem waren Äußerungen zu hören, dass da noch öfter eine dunkle Brühe in den Weißbach gelaufen ist. Sogar zwei Tage nach dem Vorfall soll es schon wieder ganz schwarz und braun den Weißbach herunter geflossen sein. Bürgermeister Hawlitschek hat das ganz entschieden verneint, weil er mit den Behördenvertretern am Donnerstag ja auf der Anlage war, und dabei keine Verunreinigung festgestellt werden konnte. Inwieweit es sich dabei um einen Irrtum handelt, muss noch geklärt werden. Denn der Vorfall ereignete sich eben zwei Tage nach dem dokumentierten Vorfall von Faschingsdienstag, also am 19.02.2015, und der Bürgermeister war mit den Behördenvertretern erst am Donnerstag den 26.02.2015 auf der Anlage.

Es ist ja höchst unwahrscheinlich, dass die Mitarbeiter am Klärwerk irgendeine Störung direkt bemerken.
Denn das Klärwerk ist nur zu 25% der Betriebszeit besetzt!

 

Dreckbrühe aus dem Klärwerk Bayerisch Gmain in den Weißbach

Am Faschingsdienstag 2015 floss eine bisher nicht bestimmbare Menge "Dreckbrühe" in den Weißbach. Bekannt wurde dieser Umstand, durch ein Foto das bei bgland24.de und später auch bei innsalzach24.de am Freitag den 20.02.2015 mit einer redaktionellen Mitteilung veröffentlicht wurde. Dazu wurde auch vorher von der Redaktion Rücksprache mit der Gemeinde gehalten. Bei der Gemeinde war zu diesem Datum noch kein Störfall bekannt.

Die örtliche Presse hat diese Nachricht längere Zeit nicht in ihren Printmedien veröffentlicht. Am Samstag den 07.03.2015 war ein Bericht von Gabi Hassinger zu diesem Vorfall im Reichenhaller Tagblatt erschienen. Dort wird beschrieben, dass sich das Gemeindeoberhaupt heftig darüber beschwert hat, dass zwar die Presse, aber keine zuständige Behörde über den Vorfall informiert wurde. "Eine bodenlose Frechheit" meint der Bürgermeister.

Eine denkwürdige Art das zu beurteilen, meint GR Peter Renoth. Nach seinen Recherchen hat ein Unterlieger am Faschingsdienstag die braune Brühe bemerkt. Das Klärwerk und auch die Gemeindeverwaltung waren an dem Nachmittag aber nicht besetzt. Nach etwa einer halben Stunde (nachdem es bemerkt wurde) wurde der Weißbach wieder klar, deshalb hat der Unterlieger an dem Tag nichts mehr unternommen, aber am nächsten Tag den Klärwärter informiert. Wenn jetzt regulärer Betrieb am Klärwerk und in der Gemeindeverwaltung geherrscht hätte, wäre der Vorfall sofort bekannt gewesen. Am nächsten Tag war dann alles vorbei und nicht mehr nachvollziehbar ob, oder dass hier "etwas passiert ist". Inwieweit interne Kommunikation da nicht funktioniert hat, kann nicht beurteilt werden.

Nach unbestätigten Berichten soll diese Dreckbrühe aus der gemeindlichen Kläranlage auch am Donnerstag den 19.02.2015 noch einmal den Weißbach herunter geflossen sein.

 

 

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